
Anekdoten aus dem Weltreich des Fußballs gibt es unzählige. Im Falle des sozialistischen Jugoslawien heben sich zwei ganz besonders hervor.
Die eine besagt, dass der blutige Bürgerkrieg der 90iger hätte verhindert werden können, hätte Jugoslawien doch nur die Weltmeisterschaft in Italien gewonnen – ein Turnier, dass für die „Blauen“ in der Tat nur äußerst unglücklich und im Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Argentinien zu Ende ging.
Die andere besagt, dass das Ende Jugoslawiens mit dem nur knapp zwei Monate zuvor angesetzten Ligaspiel zwischen Dinamo Zagreb und Roter Stern Belgrad besiegelt wurde. Aufgrund schwerer Ausschreitungen zwischen Hooligans aus beiden Lagern konnte das Spiel nicht angepfiffen werden. Der Zagreber Fußballprofi und spätere Milan-Star Zvonimir Boban lieferte mit seinem Kung-Fu-Tritt gegen einen Polizisten ein ikonisches Bild des kroatischen Nationalismus. Der amtierende serbische Staatspräsident Aleksandar Vučić rühmt sich, damals ebenfalls dabei gewesen zu sein.
Mittendrin statt nur dabei war immer schon auch Željko Raznatović, genannt «Arkan». Ein Roter-Stern-Hooligan und Krimineller, der während des Bürgerkriegs als Kriegsverbrecher und Kommandant der sogenannten „Arkan-Tiger“ zur Berühmtheit wurde, eine bekannte Schlagersängerin heiratete und später auch zum Besitzer eines bis dato irrelevanten Fußballvereins avancierte, der es – nicht sonderlich überraschend – zur serbischen Meisterschaft brachte.
Über all das wird Clemens Meyer mit Frank Willmann und Barbi Marković sprechen.
Frank Willmann ist Mitglied der Akademie für Fußballkultur sowie u.a. Autor des von der Kritik gefeierten Buches „Der Pate von Neuruppin“. Sein jüngstes Buch Balkanblut. Leben und Sterben des serbischen Mafiosos und Warlords Arkan ist Anlass Nummer eins für das Gespräch.
Anlass Nummer zwei bildet Barbi Marković`s «Piksi-Buch». Betitelt in Anlehnung an den legänderen Spielmacher der jugoslawischen Fußballnationalmannschaft Dragan Stojković, behandelt es nicht so sehr den Fußball, als vielmehr seine gesellschaftlichen und kulturellen Nebengeräusche. Das «Piksi-Biuch» erhielt 2025 den von der Deutschen Akademie für Fußballkultur verliehenen Preis für das Fußballbuch des Jahres.
Clemens Meyer ist Schriftsteller. Sein letzter Roman «Die Projektoren» ist ein Parforceritt durch die Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert, erhielt den Bayerischen Buchpreis 2024 und den Preis der LiteraTour Nord 2025 und stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2024. Für sein Gesamtwerk erhielt Clemens Meyer den Lessing-Preis 2025 des Freistaates Sachsen.
Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Kooperation mit dem Verlag Voland & Quist und der Scheune.
Der Eintritt ist frei, um Voranmeldung wird aber gebeten! Bitte nutzt den Anmeldelink!
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